Aug 232014
 

Die WohnGenossenschaft Moabit i.G. hat sich am 19. August 2014 mit fol­gen­dem Aufruf an die Vertreter der Politik und Verwaltung des Bezirks Mitte und des Abgeordnetenhauses Berlin gewandt:
Wir, die WohnGenossenschaft Moabit i.G., her­vor­ge­gan­gen aus der Initiative »Wem gehört Moabit?«, ver­ste­hen uns als Teil ver­schie­de­ner woh­nungs­po­li­ti­scher Gruppen, die sich für ein Bündnis „Soziales Wohnen in Berlin“ einsetzen.

Wir haben Interesse an der Liegenschaft Kruppstr. 14 A, 10557 Berlin, die wir zu einem gene­ra­tio­nen­über­grei­fen­den Wohnprojekt umnut­zen wol­len. Wir rufen die poli­tisch Ver­antwortlichen im Bezirk Mitte und im Senat von Berlin auf, sich für fol­gen­de Forderun­gen ein­zu­set­zen, wel­che die Liegenschaft Kruppstr. 14 A und ihr Umfeld betreffen:

  1. Vergabe der Liegenschaft Kruppstr. 14 A in Berlin-Moabit, 10557 Berlin, an eine Wohngenossenschaft oder ande­re sozi­al ori­en­tier­te Wohnprojekte, ggf. über ein Konzeptverfahren.
  2. Umwandlung der Liegenschaft Kruppstr. 15 (erbaut als Kaserne, der­zeit „Rest­nutzung“ durch Polizei) und ggf. auch des Grundstücks Kruppstr. 14 B (der­zeit genutzt als Erweiterung der Kurt-Tucholsky-Grundschule), zu sozia­lem Wohn­raum bzw. Wohnbaufläche.
  3. Planungsrechtliche Sicherung die­ser Liegenschaften für Wohnzwecke und Vergabe vor­zugs­wei­se an Genossenschaften oder ande­re sozi­al ori­en­tier­te Wohnprojekte.

Begründung

Die Moabiter Mieterschaft steht unter Druck. In den letz­ten Jahren ist hier ein über­durchschnittlicher Anteil des Immobilienbestandes in die Hände von Großinvestoren gefal­len (Studie der Initiative »Wem gehört Moabit?«, Mai 2011, http://wem-gehoert-moabit.de/wp-content/uploads/2011/05/ErgebnisFaltblatt.pdf). Politik und öffent­li­che Verwaltung sind auf­ge­for­dert, dem Problem der Verdrängung alt­ein­ge­ses­se­ner Mieter*innen und der damit ein­her­ge­hen­den sozia­len Entmischung offen­siv ent­ge­gen zu tre­ten durch fol­gen­de Maßnahmen:

  • Kein Verkauf lan­des­ei­ge­ner Immobilien an Unternehmen, die vor allem profit­orientiert aus­ge­rich­tet sind
  • Umwandlung (und nicht Abriss) von Zweckgebäuden in Wohnraum
  • Förderung von sozia­lem Wohnungsbau mit dau­er­haft güns­ti­gen Mieten

Im Gegensatz zur aktu­ell gän­gi­gen Praxis des sozia­len Wohnungsbaus, der nach Ablö­sung der Baudarlehen aus der Mietpreis- und Belegungsbindung ent­las­sen wird, bleibt genos­sen­schaft­li­cher Wohnungsbau dau­er­haft preis­güns­tig und ist ein zukünf­ti­ges Modell für den sozia­len Wohnungsbau. Genossenschaften bie­ten ver­mit­tels ihrer Satzung eine dau­er­haf­te Bindung an die wirt­schaft­li­chen Interessen der Bewohner/​ Mitglieder für preis­wer­ten Wohnraum und sichern damit lang­fris­tig ein ange­mes­se­nes Mietpreisniveau.

Bei Erhalt des Zuschlages für die Kruppstr. 14 A wird die WohnGenossenschaft Moabit nach­hal­tig güns­ti­gen Wohnraum schaf­fen. Wir wol­len außer­dem mit Angeboten wie Werkstätten und Veranstaltungs- und Proberäumen die Möglichkeit schaf­fen, in Nach­barschaft und Kiez Begegnung und gegen­sei­ti­ge Unterstützung zu orga­ni­sie­ren und den sozia­len Zusammenhalt zu fördern.

Das Projekt Kruppstr. 14 A ist von der WohnGenossenschaft Moabit i.G. geplant als ein ers­tes Projekt, dem wei­te­re – zur Stabilisierung der alt­ein­ge­ses­se­nen Moabiter Mieter­schaft drin­gend erfor­der­li­che – Genossenschafts-Projekte in Moabit fol­gen sollen.

Wir hal­ten die Liegenschaft Kruppstr. 15 eben­so wie das Grundstück Kruppstr. 14 B für sinn­vol­le ergän­zen­de Wohnstandorte. Als Alternative für die gegen­wär­ti­ge schu­li­sche Nutzung der Kruppstr. 14B soll­te im Rahmen der aktu­el­len bezirk­li­chen Entwicklungs­überlegungen der Standort Rathenower Str. 16 geprüft werden.

Die Liegenschaftspolitik des Landes Berlin soll­te in die­ser Situation im Sinne einer aus­gleichenden Bau- und Mietenpolitik genos­sen­schaft­li­chen und ande­ren sozi­al orientier­ten Wohnprojekten Priorität einräumen.

gez. WohnGenossenschaft Moabit i.G.

 

 PDF des Papiers

 Veröffentlicht von am 23. August 2014 um 12:04